Gold gab ich für Eisen, 1914, 2014
Fiona Liewehr

Ramesch Daha wählt als Ausgangspunkt ihrer Arbeiten häufig die Geschichte ihrer iranisch-österreichischen Familie, die 1978 vor der iranischen Revolution und dem damit einhergehenden erstarkten Fundamentalismus in die Heimatstadt ihrer Mutter, Wien, geflohen ist. Für „Gold gab ich für Eisen“ begibt sich die Künstlerin zum ersten Mal auf die Spuren ihrer österreichischen Wurzeln. Im Familienarchiv ist sie auf einen eisernen Ring ihrer Ururgroßmutter gestoßen, der die Gravur "Gold gab ich für Eisen, 1914" trägt. In einer professionell aufgezogenen Propagandaaktion wurde damals die Bevölkerung aufgerufen, Gold und Schmuck für die Kriegsfinanzierung zu spenden und erhielt im Austausch dazu Eisenschmuck oder Medaillen, um sich offen als Patrioten auszuweisen. Daha stellt die Ringe und Medaillen einer großformatig gemalten Landkarte von den geplanten Feldzügen gegen Russland und Kohlefrottagen von Kriegsdokumenten gegenüber. Es geht ihr dabei weniger um eine Stringenz in der Narration oder den Versuch einer chronologisch lückenlosen, geschichtswissenschaftlichen Darstellung der Ereignisse im Ersten Weltkrieg. Vielmehr entsteht im bewussten Nebeneinander von künstlerischen Medien und Inhalten eine subjektive (Be-)Deutungscollage, die das kritische Bewusstsein dafür schärfen soll, dass Geschichte nicht nach eindimensionalen, objektiven Kriterien definiert werden kann.

Ramesch Daha often chooses the story of her Austro-Iranian family as the starting point for her works. They had fled to Vienna, her mother's native city, in 1978 to escape the Islamic Revolution and its resurgent fundamentalism. In Gold I gave for iron, 1914 the artist sets out to retrace her Austrian roots for the first time. In her family's archive she came across an iron ring that had once belonged to her great-great-grandmother; engraved on its is the title of the work. In a professionally orchestrated propaganda campaign the population of the day was called upon tho donate gold and jewellery to help finance the war. In return they received iron jewellery or medals which, for many, served to express their patriotism. Daha contrasts and compares the rings and medals, the charcoal frottages of war documents, and a large format painted map of the planned campaigns against Russia. For the artist it is less aout the compelling nature of the narrative or an attempt to recreate a seamless chronological and historical account of events in World War I. Rather, the deliberate juxtaposition of artistic media and content creates a subjective and significant interpretative collage designed to raise critical awareness of the fact that history cannot be defined according to objective one-dimensional criteria.


Gold gab ich für Eisen

Installation, Mixed Media, Größe variabel

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