Memorial for Darya Lin
Ein Projekt gegen das kollektive Vergessen

Dr. Monika Knofler

Die sich immer wiederholenden, gleichen Bilder der einstürzenden Türme in CNN, wie Endlos-Loops, dann die ersten Listen der Opfer. Zuerst war alles noch völlig abstrakt, doch mit der Nennung des Namens der Cousine ihres Mannes - Darya Lin - wurde Ramesch Daha  mit einbezogen, es war nicht mehr die Geschichte von Unbekannten, sie wurde Teil der Geschichte. Beim Ansehen der Fotos der Opfer im CNN zeichnete sich bald ihre künstlerische Reaktion auf dieses Ereignis ab: die Porträts aller Opfer, wobei dieses Projekt ihren persönlichen Beitrag gegen das kollektive Vergessen darstellt.

Schon die vorangegangenen vier Jahre beschäftigte sich Daha ausschließlich mit seriellen Porträts, so dass dieser weitere Schritt nur ein allzu logischer war. Nicht mehr Bekannte, sondern die Opfer des Anschlages vom 11. September 2001. Systematisch lud sie die Fotos vom CNN herunter, besorgte sich gleich große Rahmen und Leinwände und begann zu malen. Zuerst noch in ihrer damaligen Malweise, flächig, umrissartig, fast naiv. 1 Bild pro Tag. Doch umso mehr sie sich mit den Personen beschäftigte, umso langsamer wurde die Arbeitsweise und umso mehr änderte sich auch die Malerei. Beim Betrachten der Fotos wurde ihr klar, dass es sich bei den Fotos meist um private Schnappschüsse, aber auch um gestellte Studiobilder oder Passfotos handelte, von Angehörigen oder Freunden ausgesucht, um den jeweiligen Personen ein Andenken zu setzten und sie dadurch unvergesslich zu machen.

Durch die intensive Auseinandersetzung mit den Personen änderte sich auch die Malweise von Ramesch Daha. Den jeweiligen Bezugspunkt stellt das letzte vollendete Bild dar, wobei die Komposition durch das jeweilige Foto vorgegeben wird. Im Mittelpunkt steht die malerische Herausforderung und Weiterentwicklung, die das völlige Zurücknehmen der eigenen Person erfordert. Da, im Gegensatz zu den Porträts von Freunden und Bekannten, keine Auswahl der Dargestellten erfolgt ist, ist sie gezwungen Gesichter zu malen, die sie selbst nie ausgewählt hätte und trotzdem werden diese durch den Prozess interessant. Die Entscheidung, welches Porträt als nächstes entsteht wird durch Mausklick dem Zufall überlassen.

Bis jetzt sind nach 13 Monaten Arbeit 205 Bilder entstanden, in vier Jahren möchte sie an die 1000 vollendet haben.

Ramesch Daha wurde 1971 im Iran geboren und musste 1978 mit ihrer Familie vor dem Fundamentalismus in die Heimatstadt ihrer Mutter fliehen. Nach der Schulzeit in Wien studierte sie an der Akademie der bildenden Künste Wien. 


VICTIMS 9/11

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Text Wolfgang Drechsler